Seit Jahrzehnten dominiert ein wachsendes Bruttoinlandsprodukt die wirtschaftspolitische Zielvorstellung. Doch macht das unser aller Leben wirklich besser? Und was wäre die Alternative?
In der MAKROSKOP-Redaktion gibt es bei verschiedenen Themen unterschiedliche Meinungen. In diesem Format tragen wir die Debatten öffentlich aus. Möge das bessere Argument gewinnen!
„Ein starkes BIP ist der Motor unserer Gesellschaft“, „Wirtschaftswachstum ist der Weg zu mehr Wohlstand und sozialer Gerechtigkeit“, „eine steigende Flut hebt alle Boote“? In der allgemeinen wirtschaftspolitischen Debatte erfährt das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts oft eine regelrechte Überhöhung als zentraler wirtschaftspolitischer Indikator. Ein steigendes BIP sichere den Wohlstand für alle, heißt es.
Diese und ähnliche Perspektiven prägen schon viele Jahrzehnte maßgeblich den Diskurs. Nach dem zweiten Weltkrieg beschlossen die herrschenden Industrienationen erstmals internationale Standards für volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen. Seither ist das BIP weltweit und auch in Deutschland die wichtigste Kennzahl zur Messung wirtschaftlicher Aktivität, Grundlage internationaler Vergleiche und eine der zentralen Steuerungsgrößen in der Wirtschafts- und Finanzpolitik.
Klar ist, Wachstum stabilisiert die Wirtschaft und erweitert die Verteilungsspielräume in der Gesellschaft. Wächst der Kuchen, können neue Stücke unter allen aufgeteilt werden, ohne einen Streit darüber zu führen, ob der bisher bestehende Bestand wirklich fair aufgeteilt ist. Ob die neuen Stücke „gerecht“ verteilt werden, ist die nächste Frage. Die Vergangenheit lässt starke Zweifel entstehen.
So oder so und ganz allgemein: Das Bruttoinlandsprodukt erfasst die Summe der wirtschaftlichen Produktion einer Volkswirtschaft. Macht ein steigender Wert dieser Kennzahl unser aller Leben wirklich besser? Denn das ist es doch, was am Ende zählt. Sollten wir unsere Wirtschaftspolitik weiterhin so zentral am Wachstum des BIPs ausrichten?

